Verzweiflung

„Nein!“, schrie sie. „Nein! Nein! Nein!“. Sie brüllte regelrecht und ihr ganzer Leib bebte. Nichts anderes verließ ihre Lippen, nur dieses verzweifelte, langgezogene Nein. Sie muss wohl schon eine ganze Weile geschrien haben, bevor die von einem Nachbarn verständigte Polizei sie nackt auf dem Parkettboden ihres Schlafzimmers auffand. Sie schenkte den Beamten keine Aufmerksamkeit, vielleicht bemerkte sie sie nicht einmal, doch wenn man ihr zu nahe kam, schlug die junge Frau wild um sich.

Als sie lange Zeit nach diesem Tag gefragt wurde, warum sie nur nein geschrien, nichts anderes gesagt hatte, antwortete Medea: „Das war der verzweifelte Schrei aus dem Untersten meiner Seele, angesichts der ohnmächtigen Erkenntnis, wie schrecklich und ekelhaft verdorben diese Welt ist.“

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